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Stefan Heym

Schriftsteller

Ehrenbürgerwürde verliehen am 2.10.2001

Stefan Heym bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Chemnitz am 2. Oktober 2001Stefan Heym am 2. Oktober 2001

Stefan Heym wurde am 10. April 1913 unter dem bürgerlichen Namen Helmut Flieg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Chemnitz geboren.

Bereits als 18-jähriger Schüler des Staatsgymnasiums Hohe Straße setzte sich der von einer humanistischen Erziehung geprägte Helmut Flieg mit den gesellschaftlichen Widersprüchen in der Weimarer Republik auseinander.

Mit der Veröffentlichung eines Gedichtes in der Chemnitzer "Volksstimme", in dem der deutsche Militarismus angeprangert wurde, trat er erstmals offen gesellschaftskritisch in Erscheinung. Die Relegation vom Gymnasium und ab 1933 nationalsozialistische Repressalien waren die Folgen. Zum Schutz der eigenen Person und aus Sorge um seine Familie vor dem antisemitistischen Nazi-Terror lebte er fortan unter dem Pseudonym Stefan Heym.

Dennoch wurde die Emigration nach Prag und später in die USA für ihn unvermeidbar. Nachdem er in Chicago sein Studium der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften beendet hatte, begann er journalistisch als Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung "Deutsches Volksecho" zu arbeiten. Mit dem Roman "Hostage" begann er Mitte der dreißiger Jahre sein schriftstellerisches Lebenswerk.

Die Verachtung des Hitlerregimes und der Wille, aktiv zum Ende des 2. Weltkrieges beizutragen, führten Stefan Heym in die US-amerikanische Armee. Unmittelbar nach Kriegsende besuchte er als Soldat das zerbombte Chemnitz.

Zu Beginn des Kalten Krieges nahm Stefan Heym eine kritische Haltung zur Politik der USA ein und wurde wegen "prokommunistischer Haltung" aus der US-Army ausgeschlossen. Aus Protest gegen den Koreakrieg gab er der US-Regierung seine militärischen Auszeichnungen zurück.

Stefan Heym sah 1952 in der DDR, mit der er damals viele Hoffnungen verband, seine neue Heimat. Als Autor der zu Klassikern gewordenen Romane wie "Kreuzfahrer von heute", "Der Fall Glasenapp" oder "Die Augen der Vernunft" fand er hier eine große Leserschaft und staatliche Anerkennung. So wurde sein literarisches Schaffen 1953 mit dem Heinrich-Mann-Preis, 1956 mit dem Literaturpreis des FDGB und dem Nationalpreis im Jahre 1959 gewürdigt.

Sich selbst als kritischen Marxisten bezeichnend, ließ er sich als international anerkannter Schriftsteller nicht von der SED-Führung vereinnahmen oder instrumentalisieren. Vielmehr setzte er sich ab Mitte der 50er Jahre zunehmend kritisch mit der Entwicklung in der DDR auseinander. Sein offener Umgang mit gesellschaftlichen Problemen führte immer wieder zu Kontroversen mit der DDR-Führung. Andererseits gelangte Heym durch seinen brillanten Stil und die von ihm aufgegriffenen Themen zu einer großen Popularität. In Romanen wie "Lasalle" oder "Der König David Bericht" bediente sich Stefan Heym des historischen Romans, um aktuelle Themen aus einer Perspektive darzustellen, die nicht den offiziellen SED-Richtlinien entsprach. Nicht selten konnten auch die deutschsprachigen Ausgaben einiger Werke bis zum Jahre 1989 nur in der Bundesrepublik Deutschland verlegt werden.

Typische Beispiele dafür sind die Romane "Collin" und "Schwarzenberg", die 1979 und 1984 bei Bertelsmann erschienen waren, aber erst 1990 in der DDR verlegt werden konnten.

Stefan Heym machte niemals einen Hehl aus seiner Ablehnung des in der DDR praktizierten "real existierenden Sozialismus". Die Unterzeichnung der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns führte zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR. Zunehmend reglementiert und lediglich noch geduldet setzte Stefan Heym seine schriftstelleriche Arbeit unvermindert fort.

Über die westdeutschen Medien setzte er sich weiter mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der DDR auseinander, die er trotz aller Unzulänglichkeiten und durchlebten Schwierigkeiten weiterhin als seine Heimat betrachtete.

Im Herbst 1989 gehörte Stefan Heym zu den herausragenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution in der DDR. Obwohl er bereits zu Beginn der 80er Jahre zu den wenigen Prominenten in beiden deutschen Staaten zählte, die die Wiederherstellung der deutschen Einheit prophezeiten, begleitete er den sich dann vollziehenden Vereinigungsprozess nach 1990 konstruktiv und kritisch.

So machte er als Alterspräsident des 13. Deutschen Bundestages in seiner Eröffnungsrede 1994 auf Fehlentwicklungen während des Wiedervereinigungsprozesses aufmerksam und verwies zugleich auf die großen historischen Chancen für Demokratie und soziale Gerechtigkeit im vereinigten Deutschland.

Der Querdenker Stefan Heym bekannte sich während seines ganzen Lebens zu seiner von Humanismus und sozialer Gerechtigkeit geprägten Weltanschauung. Dabei ging es ihm nie vordergründig um die Verfechtung von Ideologien. Vielmehr hat er sich mit seinen Gesellschaftskritiken als charismatischer Praktiker in die Diskussionen eingebracht.

Im Verlaufe von über sieben Jahrzehnten setzte er sich nicht nur in seinen literarischen Werken mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen er lebte, auseinander. Beeindruckend war dabei stets seine Zivilcourage aber auch sein konstruktives Engagement bei der Suche nach einer modernen und zukunftsfähigen Gesellschaftsform. Mit seiner zumeist schonungslos offenen und nicht selten unbequemen Art stieß er immer wieder an Grenzen, die ihm von den Regierenden aufgezeigt wurden. Doch weder der deutsche Nationalsozialismus, noch die USA in der Mc Carthy-Zeit und auch nicht das SED-Herrschaftssystem der DDR konnten Stefan Heym in seinem Streben nach wahrer Demokratie und Gerechtigkeit aufhalten.

Mit der Übertragung der Ehrenbürgerwürde an Stefan Heym ehrte die Stadt Chemnitz am 2. Oktober 2001 eine international geachtete Persönlichkeit, die hier in Chemnitz geboren und aufgewachsen ist. Mit seinem umfassenden Lebenswerk gehört Stefan Heym zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.

Stefan Heym starb am 16. Dezember 2001 in Israel.

Die Stadt Chemnitz wird Stefan Heym stets in Ehren gedenken.

 

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