Es geht um das Miteinander

Björn Richter

Macher der Woche vom 16. März 2016

Wer ist für die Erziehung eines Kinder wichtiger: Mutter oder Vater? Sich auf eine Antwort festlegen, kann und will sich Björn Richter nicht. „Warum auch? Jeder hat seine Stärken und Schwächen in der Erziehung.“ Seine Frau singt zum Beispiel lieber mit den Kindern während die beiden bei ihm öfter herumtoben. Seine Erfahrungen möchte er gern mit Gleichgesinnten austauschen. Deshalb finden sich einmal im Monat Männer beim von ihm ins Leben gerufenen Vätertreff auf der Chopinstraße 42 in Kappel zusammen.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Vätertreff zu organisieren?
Björn Richter:
Ich habe zwei Kinder: einen sechsjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter. Bei beiden habe ich Elternzeit genommen. Das war mir sehr wichtig, diese frühe Phase zu begleiten. Ich hatte damals in der ersten Elternzeit die Idee gehabt, über meine Erfahrungen als Vater mit anderen Vätern zu sprechen. Männer erleben Dinge einfach anders als Frauen. Ich hab mir ein paar Dinge zusammengeschrieben und war im damaligen Haus der Familie in der Eltern-Kind-Gruppe. Da waren andere interessierte Väter. Wir haben uns zusammen getan und der Projektgedanke ist entstanden. Jetzt habe ich in meiner zweiten Elternzeit den Gedanken gehabt, das Projekt wieder zu beleben. Für Väter ist es immer noch etwas relativ Neues, sich mit Erziehungsfragen auseinanderzusetzen. Traditionell setzen sich damit eher Frauen auseinander. Ich merke an mir selbst, ich möchte einfach eine Verantwortung für die Erziehung meiner Kinder in den frühen Jahren übernehmen.
Von Kursen wie Babyschwimmen, PEKIP oder Ähnlichem abgesehen gibt es einen solchen Vätertreff noch nicht in Chemnitz. „Die Väter sind da einfach oft in der Minderheit und ich habe mich in diesen Treffen nie so richtig von Mann zu Mann austauschen können“, nennt Björn Richter weitere Beweggründe für seinen Vätertreff, der im November vergangenes Jahr zum ersten Mal einlud. „Angefangen haben wir mit fünf Teilnehmern, dann sechs oder sieben. Aber inzwischen hat sich das bei fünf eingependelt.“ Björn Richter arbeitet daran, dass es noch mehr werden, denn „dadurch wird der Austausch einfach lebendiger, wenn mehrere Väter daran teilnehmen.“

Wie läuft ein Vätertreff ab?
Ich habe gemerkt, dass die Kommunikation zwischen Männern ganz anders abläuft. Männer kommunizieren anders als Frauen, das ist so. Viel einfacher. Hier in unseren Räumen haben wir sehr gute Bedingungen für den Treff. Ein Verantwortlicher für den Bereich Erziehung in der Männerarbeit kommt einmal im Monat vorbei, bringt Themenimpulse mit und ist für die thematische Gestaltung des Abends verantwortlich.
Es geht nicht darum, sich hier zu offenbaren, was ich in meiner Erziehung für Probleme habe und es geht auch nicht darum, zu werten. Wir sind Männer, wir reden anders miteinander. Wir reden einfacher. Es geht um das Miteinander. Es geht um die männliche Sicht auf das Thema Erziehung. Wir haben eine gute Mischung aus älteren und jüngeren Vätern. Die Älteren bringen eine besondere Dynamik zum Thema mit, denn die gucken da schon etwas gelassener drauf.

Gibt es denn schon eine Tendenz der meistgestellten Fragen oder Probleme?
Bisher habe ich das noch nicht festgestellt. Ich schätze es, dass wir zu jedem Abend ein anderes Thema haben. Dabei werden auch immer andere Bereiche der Erziehung angesprochen. Das ist etwas, was sehr produktiv ist.

Gibt es eine Sache bei Kindern, bei dem man als Mann kapituliert? Wo man feststellt, dass kann nur die Mutter (abgesehen vom Stillen)?
(lacht) Bei mir ist es das Singen. Frauen singen ziemlich gern. Mir ist manchmal nicht so nach Singen zu mute. Ich singe zwar auch mal gern, Gute-Nacht-Lieder zum Beispiel. Aber so zwischendurch in einer sich bietenden Situation fällt mir das schwer. Und das kennen meine Kinder von mir nicht.

Björn Richter ist nicht aus Chemnitz, sondern kommt ursprünglich aus Niedersachsen. Die Familie hat ihn nach Sachsen verschlagen. Inzwischen arbeitet er als Sonderpädagoge an einer Chemnitzer Oberschule. „Der Job hilft mir, weil ich bei gewissen Themen Erfahrungen mitbringe. Was die Praxis mit Kindern betrifft, ist es immer wieder neu. Auf Arbeit sind es eben fremde Kinder und nicht meine eigenen. Da kann ich sagen, ich habe Feierabend. Wenn ich nach Hause komme, bin ich die ganze Zeit Vater. Diese Verantwortung habe ich immer“, so der Familienvater.

Ist Chemnitz eine väterfreundliche Stadt? Oder besser: Was macht für Sie eine väterfreundliche Stadt aus?
Das ist ja eine große Frage. Ich denke, es braucht Ausflugsziele in einer Stadt, die für Vater und Kind gut erreichbar sind. Man braucht Abenteuerspielplätze, große Wälder, wo man mit den Kindern durchlaufen kann, spielen kann. Ich glaube, es geht darum, dass Kinder, insbesondere Jungs, bei Vätern das Abenteuer suchen. Für Jungs ist es einfacher, das mit Vätern  zu erleben. An mir selber merke ich, Dinge einfach mal aus der Spontanität und aus dem Gefühl heraus zu tun, mich mal mit meinem Sohn zu balgen. Das ist, glaube ich, etwas, was Mann und Frau unterscheidet. Das lässt sich an allen möglichen Plätzen in der Stadt und in der Wohnung auch machen. Aber ich denke schon, dass Väter mit ihren Kindern das Abenteuer suchen. Chemnitz bietet dafür viel. Man muss es nur entdecken und ein Auge dafür haben.

Gibt es in Chemnitz speziell nur Vater und Kind Angebote?
Es gibt viele Dinge, die Väter und Kinder machen können. Aber das muss nicht unbedingt explizit ausgewiesen sein.

War es in Chemnitz besonders einfach, so ein Projekt wie den Vätertreff aufzuziehen?
Ich habe keine Vergleichsstädte. Ich merke, es ist nicht einfach. Weil dieses Thema Väter in der Elternzeit noch relativ neu und unbearbeitet ist. Es gibt viele Väter, die sich für die Elternzeit entscheiden. Aber in der Gesellschaft gibt es einen Großteil, die mit einem anderen Familienbild aufgewachsen sind. Von daher ist es was Neues, was einen gewissen Anlauf braucht. Das Projekt ist aktuell bis zu den Sommerferien geplant. Und dann gucken wir mal, ob weiter Bedarf da ist.

Was zeigen Sie Ihrer Familie aus Niedersachsen, wenn sie Sie in Chemnitz besuchen kommt?
Ich zeige die Orte, an denen ich auch gerne bin. Spielplätze, Botanischer Garten und Küchwald. Wir sind auch gern im Erzgebirge. Das ist von hier aus schnell zu erreichen.

Muss man den Chemnitzer Mut machen, mehr zu seiner Stadt zu stehen?
Chemnitz ist es wert, den zweiten Blick zu wagen auf das, was die Stadt bietet. Und dann muss man sich fragen, ob man für die schönen Seiten der Stadt auch Werbung machen kann, weil ich davon überzeugt bin.
Ich habe es bei mir gemerkt: es dauerte einen Moment bis ich mit dieser Stadt warm geworden bin. Aber es lohnt sich. Chemnitz ist eine Stadt, die unheimliche viele Freizeitaktivitäten hat, die aber unscheinbar sind. Die ich auch erst durch meine Kinder neu kennen- und schätzen gelernt habe. Man ist hier einen Katzensprung vom Erzgebirge entfernt und kann sich einfach die Skier unterschnallen.
In Chemnitz kann nicht alles schlecht sein. Und wenn ich davon ausgehe, dass es immer etwas Gutes gibt, dann entdeckt man das auch hier in der Stadt. Die Menschen, die hier leben, die schätzen es sehr, hier zu sein und das Leben zu gestalten. Es gibt etwas Faszinierendes in der Stadt. Und man muss eben versuchen das herauszufinden.

Wo:     Kirchgemeinde St.-Nikolai-Thomas
            Chopinstraße 42, 09119 Chemnitz

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